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Samstag, 15. April 2017

Reizwortgeschichten


Liebe Leserinnen, liebe Leser, liebe Blogfreunde,

frohe Ostern wünsche Euch allen. Weil heute Ostern ist, habe ich eine Ostergeschichte ersonnen.  Viel Spaß beim Lesen.

Die heutigen Reizwörter sind


Wasserhäuschen - Zipfelmütze - servieren - grillen - hilflos



Schaut, was meinen lieben Kolleginnen dazu eingefallen ist.


Reginas  Geschichte.






Der beleidigte Osterhase

Vorsichtig nahm Minnchen  das bunt bemalte Osterei aus dem Bastkörbchen und hängte es in die kleine Zierweide. Sie trat einen Schritt zurück und betrachtete ihr Werk. Richtig hübsch sah die Weide mit den zarten, hellgrünen Blättchen und den bunten Ostereiern aus. Überall an den Bäumchen in ihrem kleinen Garten hing ihre ganze Sammlung von Ostereiern, die sie seit vielen Jahren auf den Ostermärkten erstanden hatte. Die Osternester plazierte sie vor Tagen auf der Blumenwiese zwischen den Narzissen und Tulpen. Das Osterfest konnte kommen.  Minnchen ließ sich auf die gepolsterte Gartenbank nieder und genoss eine Weile die warmen Sonnenstrahlen. Dabei schaute sie sich in ihrem Garten zufrieden um.
"Richtig", fiel Minnchen ein, "da fehlte was.", dachte sie.
"Der Osterhase war in diesem Jahr noch nicht da gewesen."
Sonst lagen eine Woche vor Ostern  herrliche bunte Eier in den Nestern.
Mit dem Osterhasen stimmte irgend etwas in diesem Jahr nicht. Minnchen fiel gleich ein, wer das weiß.

"Hallo Minnchen!", der kleine Troll Zupfbommel mit der roten Zipfelmütze ließ sich neben der Frau nieder.
"Hab gerade an dich gedacht", lächelte sie den kleinen Kerl an und freute sich.
"Meine Osternester sind alle leer. Was ist dieses Jahr mit dem Osterhasen los? Hat er mich vergessen?", fragte Minnchen.
Der kleine Troll wollte nichts sagen und druckste hilflos herum.
"Einer deiner Lieblinge ist Schuld."
Minnchen beherbergte eine große Anzahl mit den allerschönsten Steiftieren. Das Besondere war, dass ihre Lieblinge nicht nur witzig aussahen, sie fingen nach und nach zu sprechen an. So wohl fühlten sie sich bei der Frau. Jedes Einzelne behandelte sie nett und besonders liebevoll.



"Ich befürchte das war Knudie Dickzwick.", rief sie.
"Stimmt es?"
"Ja, im vergangenen Jahr hat der Rüpel Knudie Dickzwick den Osterhasen geohrfeigt."
Der arme Osterhase. Sie sah die Löffel vom Osterhasen hin und her fliegen. Minnchen verkniff sich das Lachen.


"Der Osterhase kommt zurück ", führte Zupfbommel weiter aus, "wenn Knudie Dickzwick sich entschuldigt."
Danke  lieber kleiner Troll, gut, dass ich das weiß. ", erwiderte Minnchen mit ernster Miene.
"Dem werde ich Beine machen. Ich will  vom Osterhasen schöne bunte Eier haben."
Langsam ging die Sonne im Westen am Fjord unter. Golden glitzerten die Wellen. Es wurde kühl. Minnchen fröstelte leicht. Sie knuffte den kleinen Kerl und erhob sich.
"Kannst du fragen, ob der Osterhase morgen hierher kommt, damit sich Knudie Dickzwick  bei ihm entschuldigt. Ostern ohne schöne Eier vom Osterhasen, das geht nicht.  Nicht wahr lieber Zupfbommel."
"Das wird nicht einfach. Ich werde es versuchen. Versprechen kann ich nichts. Der ist richtig beleidigt,  weißt du? ", stellte der kleine Troll zerknirscht fest.
"Du machst bestimmt das Richtige", Minnchen verabschiedete sich.
"Bis morgen."
Sie ging schnell ins Haus und schloss die Tür ab.
"Knudie Dickzwick", rief Minnchen und stürmte ins Wohnzimmer, "was hast du angestellt?"
Oben im Regal schaukelte Knudie Dickzwick übermütig auf seinem Elch und lachte sich kringelig.  Auf der Jukebox schnurrte leise der rote Kater Dannölchen vor sich hin.




"Ich? Wieso, was habe ich getan?"
Knudie Dickzwick hielt inne mit der Schaukelei.
Weil der Teddybär ständig etwas anstellte, hatte er immer ein schlechtes Gewissen. Er war ein rüpelhafter, kleiner Halbstarker.
"Du hast den Osterhasen geohrfeigt!", warf Minnchen dem Bären vor.
"Wir bekommen keine Ostereier in diesem Jahr." stellte Minnchen klar, " wenn du  dich morgen bei ihm nicht entschuldigst."
"Och, diese olle Kamelle vom vergangenen Jahr, die gilt nicht mehr und ist verjährt. Ich muss mich nicht mehr entschuldigen."
Übermütig schaukelte Knudie Dickzwick weiter auf seinem Elch.
"Du entschuldigst dich oder ich bringe dich morgen zu meinem Freund Ole,  dem  Kioskbesitzer  "Zum Wasserhäuschen". Er verkauft dich auf dem Flohmarkt. Willst du das?"
Minnchen holte ihre Teekanne mit Ingwertee. Sie setzte sich in den dunkelroten Lehnsessel, goss Tee in die große, gelbe Tasse und schlürfte Schluck für Schluck das noch heiße Getränk. Sie schnappte sich leicht verärgert die Tageszeitung und setzte sich ihre Lesebrille auf die Nase.
Kleinlaut kam es oben vom Regal.
"Ich mache es!"
"Das hatte ich auch sehr gehofft!", zufrieden nickte Minnchen dem Bären zu.
Ab und zu blitzte zwischen den dunklen, schweren Wolken die Sonne hervor. Es war zu kühl und ungemütlich, um auf der Gartenbank zu sitzen. Minnchen zog die grünen Gartenhandschuhe an, nahm die kleine Schaufel und füllte jeden Kübel nach und nach mit frischer Erde. In den nächsten Tagen plante sie,  im Gartencenter die neuen Kübelpflanzen einzukaufen. Sie freute sich darauf, demnächst ein blühendes Eldorado zu erleben. Total in Gedanken versunken, bemerkte sie nicht, wie Troll Zupfbommel mit dem Osterhasen im Schlepptau durch den Holzzaun schlüpften.
"Hallo Minnchen, hier bringe ich dir den Osterhasen Löffelhops."
"Hallo kleiner Troll, freut mich,  Osterhase Löffelhops persönlich kennenzulernen."
"Ich habe nicht viel Zeit", stellte Hase Löffelhops klar.
"Augenblick", Minnchen lief rasch ins Haus, um den Bären Knudie Dickzwick zu holen.
Auf dem linken Arm Knudie Dickzwick, in der rechten Hand ein Servierttablett haltend, kam sie  heraus. Sie erwartete ihre Nachbarin,  der sie  Kaffee und Gebäck servierte.
Minnchen setzte sich mit dem Bären auf die Gartenbank.
"Du wolltest etwas sagen.", forderte sie Knudie Dickzwick auf.
Der Bär klotzte den klopsigen, dicken Hasen an. Der guckte beleidigt in die Luft.
"Dieses fette, blöde  Pelzvieh nennt sich Osterhase.  Klaut Eier und behauptet, er habe sie gelegt, der Spinner. Dabei ist er ein Fake. Muss mich entschuldigen, sonst verkauft  mich Minnchen auf dem Flohmarkt. Was Minnchen sagt, das macht sie. Ich fresse Kreide, viel Kreide", dachte Knudie Dickzwick und platzte vor Wut, "ich verklopfe ihn gleich, damit die Ohren wackeln."
"Entschuldige!", kam es leise  über die Lippen von Knudie Dickzwick.
Minnchen boxte den Bären leicht in den dicken Bauch. "Geht das nicht freundlicher?"
"Aua,  das war die Höhe, geklopft werde ich. Dabei habe ich mich  entschuldigt.", dachte er.
"Ich entschuldige mich, lieber Osterhase.", flüsterte der Bär und schloss schuldbewusst seine Augen.
"Ich nehme die Entschuldigung an.", antwortete der Osterhase spitz.
Löffelhops hoppelte in Richtung Zaun.
"Habe keine Zeit, muss weiter,  die Ostereier, ihr wisst."
"Vergesse mich nicht, lieber Osterhase.", rief Minnchen ihm hinterher.
Sie saß mit Knudie Dickzwick im Arm auf der Gartenbank und genoss noch die warmen Sonnenstrahlen. Ein kleiner Windhauch strich durch die Bäume. Die aufgehängten Ostereier klapperten leicht aneinander. Minnchen schaute sich in ihrem kleinen Garten um. Tatsächlich lagen überall schöne, bunte Eier in den Osternestern.  Ostern konnte kommen. Sie lächelte zufrieden. Ihre Nachbarin Pauline kam. Die ganze Nachbarschaft grillte am Ostern, da war viel zu besprechen.

Copyright Eva V. 2017
Bild: Flickr, Maria

Meine nächste Geschichte erst wieder am 15. Mai.

Schaut vielleicht einmal bei meiner neuen "Norwegenseite" vorbei. Würde mich sehr freuen.



Samstag, 1. April 2017

Reizwortgeschichten

Liebe Leserinnen, liebe Leser, liebe Blogfreunde,

die heutige Geschichte ist vor kurzem hier in Norwegen passiert. In meiner Nacherzählung sind Personen und Namen frei erfunden. Viel Spaß beim Lesen.

Die heutigen Reizwörter sind


Waschbecken - Finanzamt - rutschen - pflegen- verschmiert



Schaut, was meinen lieben Kolleginnen dazu eingefallen ist.


Reginas  Geschichte..



Heiße kurze Liebe

Luchsdame Tatzenbauschi gähnte herzhaft, dehnte ihre Vorderbeine und setzte sich geschmeidig in Bewegung. Sie sah, wie der Tierpfleger das abendliche Futter brachte.  Luchsmännchen Büschlestümmle stürzte sich sofort auf die herrlichen Kücken. Gelangweilt schnupperte die Luchsin an ihrem Lieblingsfutter herum.
"Schmeckts?", fragte sie spitz.
"Hmm.", nickte er schmatzend.
"Hast du keinen Hunger?"
Die Luchsdame roch nochmal an dem Futter. Sie rümpfte ihre  Nase und schüttelte mit dem Kopf.
Besorgt schaute er sie an.
"Bist du krank?"
Die Luchsin schwieg.
"Nein sie war nicht krank", dachte sie wütend, "bemerkte er nicht, was ihr fehlte?"
Es war Paarungszeit. Sie hatte ihm mehrfach gezeigt, was mit ihr los war. Aber er ignorierte sie.
Gerade feierten sie seinen elften Geburtstag.
"Was war mit ihm los? War er nicht mehr zeugungsfähig?"
Sie war erst acht,  er kam wohl in die Jahre. Mit Nachwuchs hier im Gehege des Tierparks war  bei den Luchsen dieses Jahr nicht mehr zu rechnen.
Traurig schlich sie zur Anhöhe und setzte sich auf ihre Hinterläufe, um von dem schönen Frühlingstag die letzten warmen Sonnenstrahlen  zu genießen. Sie blinzelte in die Sonne. Hörte sie  aus dem Gebüsch dort drüben nicht ein Geräusch? Sie lauschte und spitzte ihre Ohren. War dort nicht ein Maunzen von einem Luchs?
Erst sah sie kurz etwas Geflecktes und dann erblickte sie ihn. Ein wunderschönes, junges Luchsmännchen. Der junge Luchs sprang aus dem Gebüsch zum Zaun. Sie schlich langsam maunzend zu ihm. Er beschnupperte die Luchsfrau.
"Hallo, wer bist du?", fragte die Luchsin neugierig.
"Pünktchenflitz", stellte sich der junge Luchs vor.
"Ich bin Tatzenbauschi", flötete  sie und blinzelte ihn mit ihren schönen Augen an.
Beim Anblick dieses jungen, athletischen Luchsmann wurde ihr heiß und kalt.
"Das wärs doch", dachte sie erregt.
Wie kam dieser tolle Kerl über den vier Meter hohen Zaun des Geheges?
Durch einen lauten Schrei erwachte der alte Luchs Büschlestümmle.
"War das nicht Tatzenbauschi, die so schrie?"
Rasch erhob er sich und sprang in die Richtung, woher der Schrei kam. Hell schien der Vollmond und leuchtete das Gehege deutlich aus. Es schneite leicht und ließ das Gelände noch heller erscheinen. Jeder Baum und Strauch war zu sehen.
"War da nicht ein fremder Luchs in seinem Revier?", Büschlestümmle dachte, er träumte.
"Wie kam der in das Gehege über den hohen Zaun?", er war platt.
Mit lautem Geschrei stürzte sich der alte Luchsmann mit einem Satz auf den ungebetenen Eindringling.
 "Hier war er der Boss!"
Nils Jensen, der Tierparkdirektor,  kümmerte sich heute früh um das Futter der Tiere. Danach wusch er sich gründlich seine Hände am Waschbecken der Futterküche. Polternd packte er  Eimer und Kisten mit Tierfutter auf den Anhänger. Er war sauer. Alles musste er alleine machen.  Die ganze Nacht und bis in die frühen Morgenstunden schneite es.  Die Landstraße war spiegelglatt. Johann, der Pfleger, verspätete sich. Ausgerechnet heute, wo der Prüfer vom Finanzamt da war. Der auch wegen der rutschigen Straßen fluchte. Dabei war Frühlingsanfang.
Brummig verärgert fuhr der Tierparkdirektor zum Luchsgehege.
Nils Jensen rieb sich die Augen, "Was war das? Sah er richtig? Drei Luchse waren im Gehege."
Er holte aus dem Handschuhfach sein Fernglas.
Ein junger Luchs, schätzungsweise drei Jahre alt.
"Der verliebte Jüngling machte wohl über den hohen Zaun einen riesigen Satz", grinste Nils Jensen.
Johann berichtete, er verfolge  außerhalb des Luchsgeheges seit Tagen im Schnee Spuren eines Luchs. Bisher konnte er ihn nicht ausmachen.
"Schöner Bursche. Sicher hat es Tatzenbauschi gefreut, wo Büschlestümmle lustlos war", dachte er und lachte, "ob das im Luchsgehege Nachwuchs bedeutete?"
Für Beide wird es ein kurzes Intermezzo sein. Das Luchsgehege war zu klein. Morgen muss der junge Eindringling weg.
Wo war Büschlestümmle? Er suchte mit dem Fernglas im Gehege den alten Luchs.
"Oh, seine Nase war verschrammt und Blut verschmiert. Heute Nacht hatte es ordentlich gekracht."
"Wenn Johann kommt, trennen wir die Männchen", schoss es dem Tierdirektor in den Kopf, "sonst gibt es Mord und Totschlag."
Tatzenbauschi träumte von dem jungen Luchs. Tief und fest war ihr Schlaf. Langsam erwachte sie. Benommen schaute sich die Luchsfrau um. Wo war Pünktchenflitz?
Sie erinnerte sich.
Die beiden männlichen Luchse hatten sich fürchterlich gefetzt. Der Zoodirektor und Johann hatten Büschlestümmle in das kleine, separate Außengehege weg gesperrt. Sie befürchteten das Schlimmste. Am anderen Morgen traf der von Tatzenbauschi verhasste Tierarzt ein. Gleich nahm sie reißaus und versteckte sich im hinteren Teil des Geheges. Von dort beobachtete die Luchsin gespannt, was der Tierarzt trieb.
Mit dem Gewehr verpassten sie Pünktchenflitz einen Betäubungspfeil. Schnell war das Tier bewegungslos. Sie legten den schlafenden Luchs auf eine Bahre, trugen ihn in den bereit stehenden Transporter und fuhren weg.
Das war es mit dem jungen, wilden Pünktchenflitz. Schade! So schnell haben sie ihn weg gebracht.
Obwohl, langsam wurde er anstrengend. Der junge Kerl gab keine Ruhe. Außerdem war sie sicher, Mutter zu werden.
Johann kam und brachte das Frühstück. Er fummelte an dem Gatter des kleinen Seitengeheges und ließ Büschlestümmle in den  großen Bereich des Geheges zu Tatzenbauschi. Der alte Luchs beschnüffelte die Luchsdame. Beide Tiere begrüßten sich und rieben zärtlich ihre Nasen aneinander.
"Hab großen Hunger! Komm Büschlestümmle, lass uns Kücken frühstücken, meine Lieblingsspeise.", bemerkte Tatzenbauschi.
Büschlestümmle grinste.
Erleichtert trottete er seiner Luchsfrau hinterher.
"Das war seine alte Tatzenbauschi."
Im Tierpark kehrte im Luchsgehege wieder Ruhe ein.

Copyright Eva V.  2017
Bild: Flickr, Optimum Fotografie


,Schaut vielleicht einmal bei meiner neuen "Norwegenseite" vorbei. Würde mich sehr freuen.