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Samstag, 1. Juli 2017

Reizwortgeschichten

Liebe Leserinnen, liebe Leser, liebe Blogfreunde,

die 'Tour de France' assoziiert bei mir "Sommer". Das Großstadtleben im Hochsommer, was mich mein ganzes Leben begleitete,  habe ich in die heutige Reizwortgeschichte verpackt.

Die heutigen Reizwörter sind


Tour de France - Katzenpisse - ringen - passen – ungläubig




Schaut, was meinen lieben Kolleginnen dazu eingefallen ist.


Reginas  Geschichte


Flickr, Garmin


Sommer in der Stadt

Heute beginnt die Tour de France, das härteste Radrennen der Welt.  Für mich bedeutet der Beginn dieser Veranstaltung auch der Anfang des Sommers, Ferienzeit in vielen Ländern im In- und Ausland. Lange Staus auf den deutschen Autobahnen. Warteschlangen an den Abfertigungshallen in den großen Flughäfen. Viele wollen nur einfach weg in südliche Länder, wo Sonne und schönes Wetter garantiert ist. Gleichzeitig beginnt eine ruhige Zeit in den Großstädten. Die Straßen in den Städten sind erfreulich leer. Keine Warteschlangen an den Kassen der Geschäfte. Die Hektik ist wie weg geblasen.

In diesem Jahr haben die Daheimgebliebenen Glück. Hochsommer in der Stadt. Die Blumen- und Rosenrabatten verströmen ihren betörenden Duft. Am Tag die Hitze des Sommers. In den Schwimmbädern und Baggerseen bevölkern die Städter wie Heringe die Liegewiesen.  Abends hält  es keiner, wenn er nicht muss,  in den aufgeheizten Wohnungen. Die leichte Abkühlung nach Sonnenuntergang, wenn die Nacht um ein paar Grade Abkühlung bringt, ist eine Wohltat. Menschenscharen bevölkern die  Parks. Packen die Kohlegrills aus. Rauchschwaden und Essensgerüche vernebeln die Luft. Gedudel aus Musikrekordern ertönt. Palaver in allen Sprachen, undefinierbar.  Es wuselt überall in den Straßenrestaurants.  In den Gartenlokale ringen Gäste nach freien Plätzen.  Die Wohnungen sind von der Wärme des Sommers aufgeheizt. Tropennächte über 20 Grad verheißen keinen guten Schlaf. Menschen  und Tiere stöhnen über die Sommerhitze. In der Wohnung strömt das Katzklo bei dieser Wärme den beißenden Geruch von Katzenpisse aus. Unruhiger Schlaf bei offenen Fenstern. Im Nachbarhaus dröhnt aus dem offenen Parterrefenster der Bass mit lautem BumBum im gleichen, nervigen Takt. Im vierten Stock lautes Gebrüll, ein Ehestreit, Geschrei einer Frau. Im Haus gegenüber brüllt eine tiefe Männerstimme "Ruhe,  ich rufe die Polizei!"
Endlich Stille.  Bleiernder Schlaf. Die ersten Sonnenstrahlen im Osten. Ein kühles Lüftchen zieht in die Wohnung. Ein Reinigungswagen der Stadt weckt mich. Ungläubig reibe ich die Augen, es ist fünf Uhr. Die Katze schnurrt und rollt sich eng an mich. Heiß ist mir. Schweiß liegt auf der Haut.  Laut rotieren die Bürsten und Sauger. Sie entfernen den Dreck und Müll der Nacht in den Straßen. Die mit Müll übersäten Parks sind später dran.  Egal, ob mir der Lärm passt oder nicht.  Ein neuer, heißer Tag beginnt in der Stadt. Der Tross der Tour de France fährt eine neue Etappe.

Copyright Eva V. 2017

Kommentare:

  1. Liebe Eva,
    das ist eine gelungene Momentaufnahme eines heißen Tages. Tatsächlich beginnt ja heute die Tour de France, die Reizwörter sind also sehr geschickt "getimed".
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende
    liebe Grüße
    Regina

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    1. Liebe Regina, habe auch ganz kurz entschlossen beschlossen, ein Geschichte zu schreiben, einfach aus dem Leben gegriffen.Liebe Grüße Eva

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  2. Da ich in einem Dorf lebe, habe ich deine Geschichte mit großem Interesse gelesen. - Großstadtleben ist mir ziemlich fremd - aber es fehlt mir so ganz und gar nicht! :-) - Wenn ich mal für ein paar Tage in einer Großstadt bin, freue ich mich schon aufs Heimfahren. - Warme und schlaflose Nächte kann es aber auch hier bei uns geben!
    LG Martina

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    1. Martina, deshalb bin ich froh, jetzt in Norwegen die meiste Zeit übers Jahr zu leben. Gerade im Sommer ist es nicht gerade prickelnd in Frankfurt in unserer Wohnung zu leben. Eigentlich ist es ruhig übers Jahr. Aber im Sommer, wenn jeder die Fenster auf hat, ist es die Hölle. Viele tragen ihr Leben in der Öffentlichkeit aus und das nervt. Liebe Grüße Eva

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  3. Hallo, Eva,
    Deine Eindrücke vom Großstadtleben im Sommer kann ich nur bestätigen! Auch wenn ich am Stadtrand zu Hause bin - den nächtlichen Lärm von Autos, feiernden Menschen, Open-Air-Veranstaltungen und den Qualm von aufgeheizten Kohlegrills, der in Schwaden durch alle Grünanlagen wabert, dürfen auch wir hier "genießen".
    Die Tour de France führt zwar bei uns nicht vorbei - aber dafür hören wir momentan den Motorenlärm vom Norisring-Rennen - so laut, dass man meinen könnte, die Rennwagen donnern über unseren Balkon ...
    Leider weht in diesem Jahr der Wind besonders ungünstig. Aber Gott sei Dank dauert das Spektakel ja nur noch bis morgen, und dann ist hoffentlich wieder Ruhe!
    Liebe Grüße, und ein schönes Wochenende!
    Christine

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    1. Liebe Christine, ich fühle mit Dir. Wir haben das Fußballstadion des FSV in der Nähe und wenn Ostwind ist im Sommer, komme ich mir vor, als stünde ich im Stadion. Ober nervig! Bin froh, dass ich im Sommer in Norge bin. Hier sind nur Vögel, die Tag und Nacht sich bemerkbar machen. Liebe Grüße Eva

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  4. Liebe Eva,
    wenn ich so Deine Geschichte lese, dann bin ich froh, dass wir nicht mitten in der Stadt leben. Sie ist für uns zwar innerhalb von 10 Minuten mit dem Auto erreichbar, aber unser Haus steht in einem ländlichen Stadtteil. Das gefällt mir sehr gut, die Stadt in erreichbarer Nähe und ansonsten ruhig und friedlich.
    LG
    Astrid

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    1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    2. Liebe Astrid, der Stadtteil in Frankfurt, in dem wir wohnen, liegt sehr schön von Grün umgeben und ist auch zentral in die Innenstadt. Nur im Sommer ist es nervig, wenn die Menschen ihr Leben in die Öffentlichkeit tragen. Bin froh, dann hier in Norwegen zu sein. Da ist noch eine himmlische Ruhe. Liebe Grüße Eva

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  5. Schön hast du einen Tag in der Stadt festgehalten.
    Da ja bald die nächste Reizwortgeschichte kommt, habe ich mich aufgerafft und wenigstens eure letzten Reizwortgeschichten zu lesen. LGLore

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