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Samstag, 15. Juli 2017

Reizwortgeschichten

Liebe Leserinnen, liebe Leser, liebe Blogfreunde,

einigen habe ich schon erzählt, dass hier in Norwegen schon viermal ein Elch in unseren Garten eingefallen ist. Seine Lieblingsspeisen sind Storchenschnabel und Weidenröschen. Diese Pflanzen hat er im Großen und Ganzen bis auf 10 cm Höhe gekürzt. Unser Biotop für die Hummeln ist dieses Jahr zerstört. Darum habe ich mir nachfolgende Geschichte ausgedacht. Viel Spaß beim Lesen.

Die heutigen Reizwörter sind

Kneipe, Fest, glücklich, raten, folgen


Schaut, was meinen lieben Kolleginnen dazu eingefallen ist.


Reginas  Geschichte



So sah es im vergangenen Jahr aus.

Zerstörtes Biotop  

"Du faule Socke", schimpfte Hummel Bürstiflink, "mach los, dein Pollenhöschen ist immer noch nicht voll",  drehte ihr Hinterteil und zeigte auf ihr dickes, prallgefülltes Höschen. 
Hummel Lümmelpelzi seufzte. 
"Es ist heute kühl, mich friert" und ließ sich auf eine lila Storchenschnabelblüte nieder.
Mit dem grimmigen Wind segelten im Eiltempo dunkle Wolken über den Himmel.  Schwere, dicke Tropfen blieben nicht aus. Ab und zu stach die Sonne durch freie Streifen im Himmel auf die Erde. Dieses Wetter mochten die Hummeln nicht. Nur widerspenstig gaben die Blumen bei diesen Temperaturen ihren Nektar ab.
"Mach los , sammele Pollen Lümmelpelzi, wir fliegen zurück zum Nest", drängte die Hummel Bürstiflink. 
"Es ist so mühsam, hier sind kaum Blüten", maulte Hummel Lümmelpelzi und flog unwillig zur nächsten lila Storchenschnabelblüte.
"Weißt du, wann  Weidenröschen blühen?", fragte Hummel Lümmelpelzi,  "unsere Königin Hummel Plüschiglanz sprach gestern von dem schönen Garten mit den Tausenden von blühenden Weidenröschen, ein Biotop für uns Hummeln."
"Die Königin weiß das, wir fliegen dann alle zusammen dorthin."
"Endlich", stöhnte Lümmelpelzi,  "das Arbeiten wird leichter."
Ein warmer, herrlicher Sommertag brach an.  Im Nest der Hummeln herrschte reger Betrieb. Damit die Brut versorgt war, trieb die Königin die Arbeiterinnen heute besonders an.
"Mädels, ratet was heute ist?"
In dem Nest brach ein leises Getuschel und aufgeregtes Gewusel los. 
"Die Blüte der Weidenröschen ist soweit. Wir fliegen gleich in den schönen Garten, von dem ich euch erzählte", die  Hummelkönigin Plüschiglanz putzte ihr Näschen und strich ihr Pollenhöschen glatt.
Eine Hummel nach der anderen flog aus der Nestöffnung hinauf in den blauen Himmel. Ein lautes  Brummen erfüllte den Sommermorgen. 
Leicht wie eine Feder fühlte sich Hummel Lümmelpelzi.  Ihre Gedanken kreisten um die Tausenden von Blüten der Weidenröschen. Nektar im Überfluss. Stressfreies, glückliches Arbeiten. 
Ein unendlicher Schwarm von Hummeln folgte ihrer Königin. Der Garten war nicht weit von dem Nest entfernt. 
Der Mäuserich Spitzekringel schaute in den blauen Himmel und hörte von weitem ein lautes Brummen. Waren das die Hummeln?
"Oh je, die werden sich wundern", dachte Spitzekringel.
Die Hummelkönigin Plüschiglanz bremste ihren Anflug vor dem Garten ab. Die Arbeiterinnen hinter ihr taten es ihr nach.
"Da ist alles grün. Haben Weidenröschen nicht rosa oder lila Blüten?", fragte Hummel Lümmelpelzi ihre Freundin Hummel Bürstiflink.
Was war hier passiert? Es gab keinen betörenden Duft von Blüten, um Hummeln von fern und nah anzulocken. Die Königin erblickte  Spitzekringel, den Mäuserich und steuerte brummend direkt auf ihn zu. 
War da nicht ein lautes Brummen zu hören? Die Mäusefrau Tippelschnippel hielt beim Putzen inne und stürzte neugierig aus dem Mauseloch. 
Was war da los? Sie starrte zum Himmel.
Hunderte Hummeln folgten der Königin, die vor dem Mauseloch zur Landung ansetzte.
"Hallo, was ist hier passiert?", fragte die Königin und ließ sich auf einer roten Kleeblüte neben dem Mäusepaar nieder.
"Schlimmes ist geschehen, Frau Königin. Dieses Jahr ist es nichts mit dem Nektar von den schönen Weidenröschen für sie und ihren Arbeiterinnen", bedauerte die Mäusefrau und schaute die Königin mitleidig an.
"Ein riesiges, verfressenes Ungetüm kam früh morgens nach sechs Uhr mit langen Beinen über den Zaun gestaxt. Die Menschen schliefen noch. Ein Vogelchor zwitscherte. Dreimal war er da.  Ein dunkelbrauner Elch.  Er verspeiste alle Blumen genüsslich, die er mochte.  Nicht einmal bücken, hatte er nötig. Seine Leibspeise waren der blühende Storchenschnabel und die noch grünen Weidenröschen.  Er rasierte sie auf die halbe Länge", erzählte Mäuserich Spitzekringel aufgebracht.
"Die Bewohner waren entsetzt und wütend, wie verwüstet ihr Garten war", fügte aufgeregt Mäusefrau Tippelschnippel  hinzu.
Die Königin schaute sich entsetzt um. Nur noch vereinzelte Weidenröschen standen da. Sie erinnerte sich an das vergangene Jahr. Tausende von Blüten voll mit Nektar. Zwar hatte der Elch damals im unteren Garten auch gehaust.  Aber er kam nur einmal. Dieses Jahr hatte er die Hummelkönigin Plüschiglanz  in Mark und Bein getroffen. Die vielen tausend Blüten der Weidenröschen fehlten. Ein herber Verlust für Ihre Brut. Mühseliger und aufwendiger wird das Suchen von Nektar für Ihre Arbeiterinnen.  Die schafften sowieso bis zum Umfallen. 
"Wo ist dieser Drecksack? Dieses verfressene Mistvieh?", schrie die Hummelkönigin Plüschiglanz vor Wut. Zum ersten Mal verlor sie die Contenance in ihrem Leben.
Verschämt blickten Bürstiflink und Lümmelpelzi einander an.
Die Mäusefrau ließ vor Schreck ihren Besen fallen und begann angstvoll wie Espenlaub zu zittern.
Abrupt hörte das Brummen in der Luft auf. Die Arbeiterinnen verstummten und erstarrten über den Wutausbruch ihrer Königin. 
"Der Mann war genauso sauer, wie du", bemerkte aufgeregt Mäuserich Spitzekringel.
"Der war noch am gleichen Abend in der Kneipe im Dorf und heuerte seine Kumpels für den Herbst  zur Elchjagd an", erzählte Spitzekringel der Hummelkönigin Plüschiglanz.
"Torkelnd, total besoffen verkündete er schreiend seiner Frau, es gibt ein Fest, wenn die Jäger das verfressene Vieh erlegen", führte der Mäuserich weiter aus.
"Aber vorher zahlen wir es ihm heim", zischte wütend die Königin den Mäuserich an.
"Wie finden wir diesen Mistkerl, wo treibt er sich herum. Hast du eine Ahnung?"
Spitzekringel zeigte hinüber in den Birkenwald. 
"Von dort kam er jedesmal her."
"Mädels, den nehmen wir uns gründlich vor. Auf in den Kampf. Folgt mir!"
Ohne sich umzuschauen erhob sich die Hummelkönigin Plüschiglanz mit ihrer Armee von Arbeiterinnen. Die ganze Schar flog  in Richtung Birkenwald. 
Das Mäusepaar schaute den davon fliegenden Hummeln nach. Das laute Brummen in der Luft entfernte sich langsam.
"In der Haut des Elches möchte ich nicht stecken. Hunderte von Hummelstichen. Oh je, wenn sie den Kerl erwischen. Das wird ihm eine Lehre sein", stellte die Mäusefrau Tippelschnippel fest.
"Und im Herbst ", flüsterte der Mäuserich Spitzekringel, "droht ihm der Tod."

Copyright Eva V 2017. 

Kommentare:

  1. Oh je, jetzt tut mir der arme Kerl aber wirklich leid. Er hatte doch auch nur Hunger :-(! --- Die Geschichte ist toll, liebe Eva, und wie immer sind die Namen, die du für deine Protagonisten gefunden hast, nicht zu toppen! LG Martina

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  2. Liebe Eva,
    hoffentlich sind die ganzen Hummelstiche dem verfressenen Vieh eine Lehre! ICH würde auch toben, wenn der Elch bei uns im Garen derart hausen würde!
    Zum Glück gibt es bei uns keine Elche - aber Rehe habe ich schon herumlaufen sehen - und Wildschweine gibt es ganz sicher auch ...
    Ich habe Deine Geschichte sehr gerne gelesen, und mich - genau wie Martina - über die phantasievollen Namen gefreut. Wo hast Du die bloß immer her?
    Liebe Grüße
    Christine

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  3. Du hast eine ernsteSache in eine humorvolle Geschichte gepackt. Ja die Namen der beteiligten sind allerliebst und da muss man doch lächeln. Der arme Elch kann einem ja doch ein wenig leid tun, aber so ist die Lebensgeschichte für alle da.
    Liebste Grüße und ein Danke für dich auch für Deine besuche, Klärchen
    hatte heute mal Zeit zum lesen außerhalb des üblichen.

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  4. Liebe Eva,
    die Namen der Hummeln sind wirklich cool, ich sitze hier mit einem breiten Grinsen im Gesicht, auch wenn mir der arme Kerl am Schluss doch ein wenig leid tut. Dir ist eine schöne Geschichte gelungen!
    Herzliche Grüße
    Regina

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  5. Liebe Eva,
    diese doch so humorvolle Geschichte hat einen wahren Ursprung, der sicherlich sehr ärgerlich ist. Doch auch ich möchte nicht in der Haut des Elches stecken. Die Hummelstiche sind ja nur der Anfang vom Ende seines Elchlebens. Mensch und Tier rächen sich an ihm. Dir ist nicht nur diese humorvolle Geschichte gut gelungen, sondern auch hast du Dir wieder supertolle Namen einfallen lassen. Und dann hast Du es obendrein noch geschafft, dass man am Ende Mitleid mit dem Elch bekommt. ;-)
    LG
    Astrid

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  6. Ojeh, was für eine Rache hast dir da für den diebischen Elch ausgedacht, in dem seiner Haut möchte ich nicht stecken. Schöne Geschichte. Wenn auch deine ganzen Blumen weg sind, aber der Elch hat dich doch zu dieser schönen Geschichte inspiriert. LGLore

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  7. So ich bin auch mal wieder da! Ich finde das eine köstliche Vorstellung, wie der arme Elch von ein paar wildgewordenen Hummeln überfallen wird. Vermutlich wird ihm das eine Lehre sein! ;-) Die Namen Deiner Protagonisten sind einfach klasse. Tippelschnippel...Bürstflink! Voll super! Ich seh die Hummeln förmlich vor mir, wie sie ihr Pollenhöschen füllen!! :-)))))) LG Tanja

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